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Die ständige Ausstellung über den barocken Festigungsbau und die Gefängnisse in der josefinischen Zeit „Kasematten“ gehört zu den baulichen Besonderheiten der Burg Spielberg (Špilberk) und ist eine der am meisten besuchten Touristenattraktionen der Stadt Brünn (Brno). Die Kasematten entstanden 1742 in der abschließenden Etappe des Umbaus der Burg in eine barocke Festung unter der Leitung des Landesfestungsbauingenieurs Oberst Rochepin.

Der Ursprung der Bezeichnung Kasematten (kasematte, casemate, casamatta) wird vom Dialekt einer der romanischen Sprachen abgeleitet, wobei „casa“= Haus und „matta“ = dunkel bedeuten. Die Kasematten sind also dunkle Räume oder Räumlichkeiten ohne Fenster.

Derart wurden im 17. und 18. Jahrhundert alle Räume mit Tonnengewölbe bezeichnet, die im Inneren einer Schanzenbefestigung angelegt wurden und deren Zweck im Schutz der militärischen Besatzung und des Armeematerials im Fall des Artilleriebeschusses der Festung bestand. Nicht anders ist es bei den Kasematten auf dem Spielberg, die einen wichtigen Bestandteil der inneren Befestigung der bedeutendsten mährischen Landesfeste darstellen.

Die Kasematten wurden in die seitlichen Burggräben nördlich und südlich hineingebaut. Es handelte sich um zweigeschossige, aus Ziegeln errichtete überwölbte Gänge. Die nördlichen Kasematten bestanden in beiden Geschossen aus doppelten Gängen mit rund 109 Meter Länge. Die südlichen Kasematten hatten nur einen Gang und waren mit 102 Metern etwas kürzer. Durch ihr unteres Geschoss verlief ein gemauerter Entwässerungskanal. In der Mitte des Gangs im südlichen Geschoss der Kasematten standen vier Öfen, in denen Brot für bis zu fünftausend Menschen gebacken werden konnte. Die Kasematten besaßen Lichtschächte, die Licht und Luft hereinließen, sowie Feuerungsräume mit Schornsteinen und Kachelöfen.

In den nördlichen Kasematten konnten somit bis zu 1 200 Mann einquartiert werden, die südlichen sollten als Versorgungsräume dienen. Während der Herrschaft von Maria Theresia wurden sie aber vorrangig als Lager für militärische Ausrüstungen genutzt.

Erst 1783 entschied Kaiser Josef II. in den Reformen des österreichischen Gerichts- und Gefängniswesens über eine ganz andere Aufgabe. Ein Teil der Festung Spielberg wurde nun zu einem Gefängnis für Schwerstverbrecher und gefährlichste Übeltäter mit Überführung in die zivile Verwaltung. Zuerst wurde die obere Etage der nördlichen Kasematten in Massenzellen für Gefangene umgebaut, im Herbst 1784 entstanden auf Anordnung des Kaisers in der unteren Etage und in den südlichen Kasematten Holzzellen, in denen die zu lebenslanger Haft verurteilten Sträflinge einzeln angeschmiedet waren.

Mit ihrer Bestimmung und ihrem Charakter waren die Kasematten auf dem Spielberg der schwerste Kerker für besondere Schwerstverbrecher aus der ganzen österreichischen Monarchie. Hier saßen keine Personen des höheren Standes (Adelige, Offiziere, Beamte), verurteilt aufgrund unterschiedlicher Vergehen und Verbrechen, Veruntreuung oder Fälschung von amtlichen Unterlagen, oder die sogenannten Staatsgefangenen ein, die aus politischen Gründen interniert waren, wie vornehmlich die Gegner der Habsburger Monarchie (ungarische Jakobiner, italienische Karbonari, polnische Revolutionäre). Die Gefangenen dieser Kategorie wurden auf dem Spielberg separat gehalten, anfangs in der oberen Etage des alten Gefängnisgebäudes im hinteren Graben, später in einem Teil der Kasernen, besonders im nördlichen Flügel.

Die Kasematten wurden erstmals 1880 auf Verdienst des damaligen Direktors für Militärbauten in Brünn Anton Costa-Rossetti für Besucher geöffnet. Schon seit mehr als 120 Jahren ziehen sie viele Besucher an. Bei der Eröffnung umwoben den Ort romantische und gruselige Mythen und Legenden, die den historischen Tatbeständen widersprachen. Mit den Jahren fanden die Legenden ihren festen Platz im allgemeinen Bewusstsein, in den touristischen Führern und in der neuesten Literatur.

Die Kasematten haben ihr ursprüngliches Aussehen im Laufe der Jahre verändert. Wesentlich trugen dazu die Umbauten der deutschen Armee zum Ende des Zweiten Weltkriegs bei. Die letzte umfassende Rekonstruktion der Kasematten erfolgte von 1987 bis 1992 mit dem Versuch, das einstige Aussehen vom ausgehenden 18. Jahrhundert, also aus der Zeit ihrer Umwandlung in den schlimmsten Kerker während der Herrschaft von Kaiser Josef II., wiederherzustellen.

 

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